20 Fakten über mich, die alle mit dem Paradiesbaum zusammenhängen – Teil 1

Dieser Blogartikel ist ein Beitrag zur Blogparade von Birgit Schultz 

Der Paradiesbaum ist eine grafische Darstellung der Zusammenhänge zwischen unserem Verhalten und unseren Gefühlen mit unserem Selbstwertgefühl bzw. unserem Selbstbild. Alles, was wir tun und was wir lassen, wirkt sich auf unser Wohlbefinden aus. Und so auch alles, was ich erlebt habe. Manches hat mehr, manches weniger Bedeutung für mein Leben heute. Hier habe ich einiges zusammen getragen, das deutliche Auswirkungen hat bzw. hatte.

1. Ich wollte als Kind Archäologin werden.

und habe mit Begeisterung alte Treppen und Mauerreste von Unkraut, Moos und Erde befreit und sichtbar gemacht. Ich war an der Geschichte von Orten und Menschen interessiert und fragte immer schon nach dem Warum. Heute mache ich mit dem Paradiesbaum sichtbar und verständlich, weshalb sich Menschen so verhalten, wie sie es tun. Auch ein Stück Grabungsarbeit.

2. Ich wurde zum Diskutieren gezwungen.

Mein Vater war Alkoholiker, Gewohnheitstrinker, Spiegeltrinker. Er wurde nie ausfällig und trank auch erst nach der Arbeit. Aber wenn er einen gewissen Level hatte, dann hielt er uns nach dem gemeinsamen Abendessen mit Fragen und Reden am Tisch fest und zwang uns in Diskussionen, die wir Kinder/Jugendliche eigentlich nicht wollten. Zum Beispiel über die Startbahn West und das Pro und Kontra. Er bezog dann ganz bewusst die Gegenposition und wir mussten uns Gedanken machen und argumentieren. Früher nervte das natürlich, aber heute sehe ich, dass ich nur dadurch lernen konnte, die verschiedenen Seiten einer Sache anzuschauen.

3. In einem früheren Leben war ich wohl Bergmann.

Anders kann ich es mir nicht erklären, dass ich mich im Berg so wohl und mich auch mit den Oberharzer Bergbau-Traditionen so verbunden fühle. Die Harzer Heimatlieder, die ich bei den Oberharzer Bergsängern mitsinge, das Steigerlied und der Clausthaler Mitternachtssschrei lassen bei mir vor lauter Ergriffenheit Tränchen kullern. Und dass ich in dem 500 Jahre alten Zechenhaus leben kann und mein Seminarraum der ehemalige Betsaal des Ringer Zechenhauses ist, macht mich immer wieder ehrfürchtig.

4. Ich habe keine rumänische Abstammung, obwohl meine beiden Elternteile in Rumänien geboren sind.

Ja, so etwas gibt es! Vielleicht habe ich deshalb auch so viel Verständnis für Eingewanderte in Deutschland, weil meine Familiengeschichte durch Aus- und Einwanderung geprägt ist?
Im 19. Jahrhundert wanderten meine Vorfahren väterlicherseits erst vom Elsass (damals Deutschland) nach Russland aus, dann weiter nach Bessarabien, ans Schwarze Meer und dann in die Dobrudscha, ins Donaudelta. Heute würden manche sie „Wirtschaftsflüchtlinge“ nennen.

Und mein Großvater mütterlicherseits arbeitete für die Shell AG als deutscher Ingenieur in den rumänischen Erdölfeldern, weshalb meine Mutter dort zur Welt kam. Beide Familien haben in Rumänien ihre deutsche Herkunft gepflegt, selbstverständlich mit ihren Kindern deutsch gesprochen, ihnen die deutsche Kultur vermittelt und dort überwiegend mit Deutschen verkehrt. Es ist ein menschliches Bedürfnis sich an die Wurzeln zu erinnern und gerade in der Fremde daran festzuhalten. Und deshalb finde ich auch, dass es das gute Recht aller Menschen ist, zu versuchen, auch im Ausland glücklich zu leben und die eigene Identität nicht zu verlieren.

5. Ich bin eine sehr gute Rallye-Beifahrerin.

Mein Mann ist Oldtimer-Fan und natürlich hat er mich in sein Hobby von Anfang an mit reingezogen. Ich habe mich auch gerne mit reinziehen lassen, weil mich die meisten alten Autos ästhetisch sehr ansprechen. Naja, und irgendwann fingen wir dann auch an, bei Oldtimer-Rallyes mitzufahren. Ich habe schon als Kind durch meinen Vater das Kartenlesen gelernt und habe auch eine sehr gute Orientierung. Die speziellen Kniffe konnte ich mir dann zusätzlich noch aneignen. Etliche Pokale stehen bei uns zuhause, denn es macht uns Spaß, möglichst gut zu sein. Wir sind auch ein tolles Team, und nach dem stressbedingten Anfangsstreit bei jeder Rallye funktioniert die Kooperation echt gut. Mit dem erfolgreichen Rallye-Fahren turnen wir auf dem grünen Ast des Paradiesbaumes: Wir machen das, was uns Spaß macht; wir nehmen unser Können wahr und wir bekommen Anerkennung. Klasse so ein Hobby!

Mit unserem VW 1600 L, Baujahr 1971 bei der Vino Miglia 2013 auf dem Großklockner (Foto: Christiane Kilian)

6. Die Ebsch-Seit ist gar nicht so schlimm.

Ich bin Wiesbadenerin, mein Mann ist Mainzer. Zwei Landeshauptstädte, die ihre Fehde nicht nur in der Fassenacht am Leben halten. Und für alle ist jeweils die andere Seite die „Ebsch-Seit“, die igitt/furchtbare/schreckliche Seite. Wir verstehen uns aber bestens (sonst wären wir ja nicht verheiratet) und pendeln immer wieder zu den schönen und leckeren Angeboten von da nach da. Mit dem Paradiesbaum zeige ich auf, dass es ganz natürlich ist, sich Feindbilder zu suchen, um sich selbst dadurch zu stärken. Leider geht das oft auf Kosten anderer Menschen! Aber dieses Phänomen finden wir auch zwischen Köln und Bonn, zwischen Clausthal und Zellerfeld, zwischen Espenschied und Welterod und sicherlich noch auf tausenden anderen Orten der Welt. Ist halt so, obwohl es eben doch nicht so ist.

7. Ich habe 4 ½ Söhne,

das heißt vier eigene habe ich geboren und mein zweiter Mann hat noch einen mit in die Beziehung gebracht, der sich altersmäßig wunderbar an meine anschloss. Damit habe ich zu meinen vieren noch einen Stiefsohn, den ich eben als „halb“ rechne. Durch die große Kinderschar bekam ich viel Anerkennung von allen Seiten. Als die Jungs dann alle aus dem Haus waren, hatte ich das Gefühl, keine Bedeutung mehr zu haben und dachte ernsthaft nach, ob ich mir ein T-Shirt drucken lasse mit „Mutter von vier Söhnen“ drauf oder so.

8. Ich mag keine Meeresfrüchte.

Meine Hochsensibilität ist ganz stark haptischer Natur. Lebensmittel, die gummiartig oder spelzig sind, kann ich nicht essen. Es ist nicht der Geschmack, sondern die Konsistenz, die einfach nicht an mich geht. Körperliches Wohlbefinden steht auf meiner Liste zum paradiesischen Leben ganz oben.

9. Alleine nachts durch den Wald zu laufen, macht mir nichts aus.

Die mich prägenden Zeiten meines Lebens habe ich zum großen Teil im Wald verbracht. Meine Mutter war Imkerin und wir hatten die Bienen im Wald stehen, eine halbe Stunde zu Fuß vom Heimatdorf meiner Mutter im Taunus entfernt. Schon als klitzekleine Kinder haben wir im Wald gespielt und ich kannte ihn dort natürlich in- und auswendig. Als Jugendliche kam ich dann in die Dorfclique rein und wir fuhren abends mit den Mopeds in die Disco im Nachbarort. Danach lief ich immer alleine die halbe Stunde von Espenschied nachhause, und die Dunkelheit im Wald machte mir gar nichts aus. Wenn es mich mal gruselte, sang ich auf dem Heimweg laut Kirchenlieder und damit fühlte ich mich unangreifbar. Die Vernunft sagt mir auch heute noch, dass ein Mensch schon ziemlich blöd sein muss, wenn er mir im Wald auflauern wollte, ohne zu wissen, wann ich denn komme. Denn eine Regelmäßigkeit, die man beobachten könnte, habe ich auch heute bei meinen Heimwegen nicht drin.

10. Ich kann Bäume fällen, sägen und Holz hacken.

Das habe ich schon früh gelernt, denn unser Leben bei den Bienen (s. 9.) war sehr einfach: Nur fließend kaltes, kein warmes Wasser und nur Holzöfen. Wir lernten schon als Kinder, morsche dünne Bäumchen zu fällen und drauf zu achten, sie so anzusägen, dass sie in die gewünschte Richtung fallen und nicht auf uns drauf. Mit einer Holzkette zogen wir sie dann heim, zersägten sie in Gemeinschaftsarbeit, hackten die dickeren Stücke und stapelten das Holz auf.

Das Selbstwertgefühl ist
die Wahrnehmung
des persönlichen Könnens!

Holz machen hat mich immer sehr gestärkt. Es ist wunderbar zu sehen und auch körperlich zu spüren, was man geschafft hat!

Willst Du auch die anderen 10 Fakten über mich lesen? Dann klicke hier und schau Dir den zweiten Teil dieses Blogartikels an.
Ich freue mich darüber.

Herzlichst Deine Christiane Kilian

PS: Schreibe mir gerne (am besten hier als Kommentar), ob Du ähnliche oder ganz andere Erfahrungen gemacht hast, die Dich stärkten oder auch schwächten. Ich bin wirklich an Dir interessiert!

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